MADEMOISELLE MARIE-ANNE ADÉLAIDE LENORMAND (1772 - 1843)

Ich glaube, ich hätte sie gemocht, diese Marie Anne! Schon alleine deshalb, weil mich Frauen, die den Mut haben, unbeirrt ihren eigenen Weg zu gehen und zu entwickeln, motivieren und beglücken. So ist sie mir Vorbild und rückenstärkende Ahnin zugleich.

Ich lerne von ihr und von Ihrer Art, öffentlich unkonventionell Frau zu sein und vor allem von ihrer Kunst, Wahrgenommenes so zu kombinieren, dass sie Menschen Wesentliches zu geben hatte. Wesentliches zur damaligen Zeit passend, denn für die Menschen zu Lebzeiten von Marie Anne war es erforderlich zu wissen, wer ihnen Feind, wer ihnen Freund sei.

Und so scheint Mademoiselle - für die damalige Zeit grandios - ihre Gabe in den Mittelpunkt ihres Seins gestellt zu haben und allen Widrigkeiten zum Trotz ihrer Berufung treu geblieben zu sein.

Wir schreiben das Jahr 1772. Im französischen Alençon wird Marie Anne Adelaide Lenormand von anscheinend wohlhabenden Eltern geboren, denn sie erhält Unterricht in einer Klosterschule, ungewöhnlich für eine Zeit, in der Bildung dem männlichen Geschlecht vorbehalten war. Sie interessiert sich besonders für Mathematik und Physik, lernt Sprachen und die Symbolik der Astrologie und reist mit vierzehn Jahren nach London. Dort traut sie sich öffentlich das auszudrücken, was sie an Bildern vor ihrem inneren Auge sieht.

 

MADEMOISELLE LENORMAND MAUSERT SICH ZUR MADAME

Ein Jahr später richtet sie sich eine Wohnung in Paris ein, in der sie die ersten KundInnen empfängt. Auch wenn wir wissen, dass Napoleon ihr nachsetzte, sie oft genug in den Kerker brachte und ihre Vorhersagen verbot, mit seiner Gemahlin Kaiserin Josephine war sie aufs Engste befreundet. Jeder der es sich leisten konnte, konsultierte ihren Rat. Aus allen sozialen Schichten, im Besonderen der des Adels und weit über die Grenzen Frankreichs hinaus suchten die Menschen sie auf.

Geschäftstüchtig und unverheiratet, gebildet und mit seherischen Gaben ausgestattet, politisch interessiert und informiert, unerschrocken, die Öffentlichkeit liebend und konfrontierend, schriftstellerisch tätig und überaus belesen, das sind Madams Attribute zu einer Zeit, da dies keine Frau schmückte! Sie liebte Musik, Malerei und Literatur.

Was tat sie während ihren Sitzungen? Ihre Assoziationsfähigkeit, alles Wahrgenommene miteinander verknüpfen zu können, war - mögen wir der Überlieferung glauben - brillant.

 

MADAMES KUNST DES WAHRSAGENS

Wie viel davon war schlicht eine seherische Gabe oder meisterlich geschicktes Verknüpfen aller Insiderinformationen dank ihrer unzähligen Informanten und Kontakte? Sie las, nachdem sie ihre KundInnen mit Hilfe von wohl vierzehn verschiedenen Kartendecks und symbolischen Systemen wie Kabbala, Astrologie, Handlesen, Chiromantie, Geomantie und Numerologie befragt hatte, aus all diesen kombinierten Systemen wie aus einem Buch.

Madame Lenormand ließ sich von keinen der vielen Verboten und Gefängnisstrafen einschüchtern. Diese kamen u. a. deshalb zustande, weil den Mächtigen ihr Treiben und ihre treffsicheren Vorhersagen deutlich missfielen. Welche Kraft und Überzeugung muss in ihr gewohnt haben, sich und ihrer Art, Mensch und Frau zu sein, treu zu sein und zu bleiben?

Der Spur dieser Frau zu folgen, den auch uns inne wohnenden Bilderreichtum zu entdecken und dabei die eigene Verbindungsfähigkeit zu schulen, ist Madams Angebot an uns. Sie ging uns „königlich" voraus, in ihren Fußspuren können wir Schritt für Schritt weiter schreiten.

Wenn es uns zudem gelingt, das überalterte Freund-/Feindbild zu verlassen und wir den Lenormandkarten gestatten, uns für ein konstruktives Weltbild zu öffnen, wird jede Aussage die Persönlichkeit stärken und zu eigenen schöpferischen Schritten initiieren.

 

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